Statische Untersuchung

A Situation und Baugeschichte

Der Einfirsthof, Rainweg 48 in Grillheim, Gemeinde Karlskron wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts als typisches Kolonistenhaus im Donaumoss erbaut. Im Jahr 1872 erfolgte eine Erweiterung des Wohnhauses um einen kleinen Anbau in nördliche Richtung an der westlichen Giebelwand des Stalles Quelle: Internetportal des Bayerischen Landesamts fur Denkmalpfle- ge. Bayerische Denkmalliste).

Vermutlich im 20. Jahrhundert wurde der Kamin aus Zieglesteinen errichtet.

Das Gebäude gilt als das älteste Haus in Grillheim und war bis Ende der 1980er Jahre bewohnt. Um die Unklarheiten bezüglich des exakten Errichtungszeitpunkt zu klären, wird empfohlen eine aussagekräftige Befunduntersuchung durchzuführen.

Bei dem Gebäude handelt es sich um einen eingeschossigen, nicht unterkellerten, im Grundriss rechteckigen Ziegelsteinbau, bestehend aus Wohnhaus sowie Stall- und Stadelbau. Die Firstlinien der einzelnen Gebäudeteile verlaufen in West-Ost-Richtung. Die unterschiedlichen Nutzungseinheiten sind anhand ihrer Traufhöhen, Firsthöhen und Gebäudebreiten gut unterscheidbar.

Der einraumbreite Wohnbereich aus zwei hintereinander liegenden Räumen links und einem tieferen Raum rechts des Querflures ergeben ein nur begrenztes Wohnraumangebot mit einer Raumhöhe von 1,80 m. Der Gebäudeabschluss des Wohnhauses nach oben bildet ein reines, einfaches Sparrendach im westlichen Teil sowie eine zu einem Pfettendach umgerüstete Dachkonstruktion im tiefem Raum rechts des Querflures.

Vermutlich erfolgte dieser Wechsel der Dachkonstruktion im Zuge der Errichtung des Anbaues. Die Dacheindeckung besteht aus Bibereinfachdeckung mit Spliesen.

Östlich des Wohngbäudes erstreckt sich der Stall- und Stadelbau. Ebenfalls aus Ziegelsteinen errichtet, unterteilt eine Querwand das Gebäude in seine beiden Funktionsteile. Der linke Gebäudeteil diente als Stallung und wurde mit einem sechsfeldrigen preußischen Kappengewölbe als Geschoßdecke ausgeführt. Der rechte Gebäudeteil diente als Stadel. Hier verzichtete man auf die Deckenausbildung in Zerrbalkenebene.

Die Dachkonstruktion besteht aus einem einfachen Sparrendach mit abgestrebten stehenden Stuhlsäulen und Spannriegel in vier Binderachsen. Das Dach wurde mit Falzziegel eingedeckt. Entlang der Längsseiten von Wohnhaus und Stall wurden die über die Mauerkrone überstehenden Zerrbalken von unten mit einer Bretterschalung versehen, Giebelseitig ist kein Dachüberstand vorhanden.

Zur Zeit dient das Gebäude nur noch als Lager- und Abstellraum.

B Konstruktionen, Schäden sowie deren Ursachen

Bei mehreren Baustellen- und Aufmaßterminen wurde die Bausubstanz sowie das Gefüge in Augenschein genommen und beurteilt. Die sichtbaren tragenden Konstruktionsteile sowie einsehbare Schäden wurden örtlich aufgenommen und in den statischen Plänen Al bis A 8 dargestellt. Diese liegen dem Gutachten als Anlage bei.

1. Dachkonstruktion

Wohnhaus
Wie bereits erwähnt, wurde das Dach über dem Wohnhaus als reines Sparrendach konstruiert. Die sichtbaren Konstruktionsteile wurden auf den statischen Aufmaßplänen A 2, A 5 und A 6 dargestellt.

Die mit ca. 47° gegeneinander geneigten und ca. 3,50 m langen Sparren sind am First über einen Scherzapfen und Holznagel miteinander verbunden. Im Fußpunkt sind die Sparrenpaare in einen sogenannten Zerr¬balken eingezapft und bilden somit ein in sich geschlossenes Kräftedreieck. Die Sparrenpaare wurden in relativ regelmäßigen Abständen zwi¬schen 1,00 m und 1,10 m angeordnet. Die Zerrbalken besitzen eine Spannweite von ca. 4,80 m. Im westlichen Teil wurde zwischen den Zerrbalken zusätzliche Deckenbalken eingelegt. Zerrbalken und Dek¬kenbalken tragen eine zum Zimmer ausgebaute Holzkonstruktion.

Der östliche Teil des Wohnhauses wurde wahrscheinlich 1872 bei der Erweiterung um einen Anbau in ein Pfettendach umgebaut. Die südseitigen Sparren des ursprünglichen Sparrendaches wurden dabei beibehal¬ten, mit seitlich angenagelten Hölzern verlängert und somit eine neue Firstlinie gebildet. Gelagert werden die Sparren auf einer First- und Mittelpfette. Am Fußpunkt zapfen die Sparren in die ursprünglichen Zerrbalken ein. Eine Fußpfette fehlt. Nordseitig wurden neue Sparren eingebaut, die auf Fuß-, Mittel- und Firstpfette aufliegen. Oberhalb des vermutlich aus dem 20. Jahrhundert stammenden Kamin wurden die Sparren abgeschnitten und werden durch die Mittelpfette nicht mehr unterstützt.

Stall- und Stadelgebäude
Das Dach über dem Stall- und Stadelgebäude wurde als einfaches Sparrendach mit abgestrebten stehenden Stuhlsäulen und Spannriegel in den Binderachsen konstruiert, Die sichtbaren Konstruktionsteile sind auf den statischen Aufmaßplänen A 2, A 3 und A 4 dargestellt.

Die mit ca. 45 Grad gegeneinander geneigten und ca. 4,50 m langen Sparren sind ebenfalls am First über einen Scherzapfen und Holznagel miteinander verbunden. Im Fußpunkt sind die Sparrenpaare in den Zerrbalken eingezapft und bilden geschlossene Gespärredreiecke. Die Sparrenpaare wurden in Abständen zwischen 0,90 m bis 1,10 m verlegt. Die Zerrbalken besitzen eine Spannweite von ca. 6,50 m. Nur in den Giebelbindern und in zwei Binderachsen sind durchgehende Zerrbalken vorhanden. Stichbalken, die die Sparrenlängskräfte aufuehmen, zapfen in Wechsel ein, welche wiederum an die Zerrbalken angeschlossen sind. Dies stellt einen schwerwiegenden, ursprünglichen Konstruktionsfehler dar. Zudem sind die Binderachsen in sehr unregelmäßigen Abständen angeordnet und mit bis zu 5,1O m Spannweite zu groß.

Die Binderkonstruktionen sind durch eingezapfte Spannriegel zwischen den durchlaufenden Längsrähmen und gezapfte Schrägstreben zwischen Stuhl säule und Zerrbalken in Querrichtung ausgesteift und es entstehen so steife Rahmenkonstruktionen, welche die unsymmetrischen Dachlasten infolge Wind bzw. einseitiger Schneelast kompensieren. In Längsrichtung steifen einseitige Koptbänder zwischen Stuhlsäule und Längsrähm die Dachkonstruktion aus.

In der Dachkonstruktion waren ursprungliehe Konstruktionsfehler fest-zustellen, die u. a. zu Verformungen und Schäden am gesamten Gebäude geführt haben.

Wie bereits erwähnt, stellen die nicht durchlaufenden Zerrbalken einen ursptiinglichen Konstruktionsfehler dar. Der Aufinaßplan A2 zeigt, daß die Stichbalken in die Wechselhölzer nur eingezapft sind. Zapfenverbin¬dungen sind in der Lage Druckkräfte, jedoch keine Zugkräfte, auf zu¬nelunen. Die klaffenden Verbindungen verdeutlichen dies. Aus diesem Grund sind in diesen Bereichen die Gespärredreiecke nicht geschlossen. Die nicht durchlaufenden Zerrbalken sind mittels geeigneter Stahlkon¬struktionsteile zugfest an die vorhandenen bzw. neu einzubauenden Wechsel anzuschließen. Da im Stall bis zu vier Stichbalken ausgewech¬selt wurden, ist dieser Wechselbalken stark auf Querbiegung bean¬sprucht, Es ist daher notwendig, diesen Wechselbalken durch einen aus¬reichend dimensionierten Beibalken zu verstärken, so dass die Kräfte sachgemäß in die durchlaufenden Zerrbalken eingeleitet werden können. Durchlaufende Zerrbalken sind im Bereich Stall und Stadel nur in den Binderachsen vorhanden. Die vorhandenen Druckkräfte aus Dachschub könnten durch den Einbau eines Stahlzugbandes in ihrer Wirkung aufge-nommen werden.

Einen weiteren schwerwiegenden ursprünglichen Konstruktionsfehler stellt das viel zu kurze Vorholz an den Zerrbalkenköpfen dar. Wie in den statischen Aufmaßplänen ersichtlich wird, ist das Vorholz des Zapfens nur wenige Zentimeter lang. Über das Vorholz werden die Sparren in der Zerrbalkenlage Iiickverankert. An manchen durch Feuchtigkeitseinwirkung geschädigten Stellen ist das Vorholz infolge der Sparrenlängskräfte bereits ausgerissen, wodurch die Gespärredreiecke nicht mehr geschlossen sind. Aufgrund des fehlenden Widerlagers an den Traufen rutschen die Sparren ab und die Sparrenhorizontalkräfte können nicht mehr in den Zerrbalken kompensiert werden, was sich deutlich am vorhandenen Rissbild im Mauerwerk abzeichnet (siehe Plan Nr. A7lmd A8).

Vorrangiges Ziel der Dachsanierung ist es, das ursprünglich gut funktio-nierende Systems des Sparrendaches mit seinen geschlossenen Gespär-redreiecken wiederherzustellen. Zu diesem Zweck sind zunächst die schadhaften Balkenköpfe zu sanieren. Verfaulte Bereiche sind abzu¬schneiden und durch biegesteife Anschäftungen im ursprünglichen Quer¬schnitt zu ersetzen. Für die neuen Balkenanstückelungen ist ausreichend Vorholz vorzusehen. Durch den Einbau von Simplex-Holzverbindern, Stabdübeln oder geeignete Stahlkonstruktionsteile an den Sparrenfu߬punkten kann wieder eine zugfeste Verbindung zwischen den Sparren und den Zerrbalken hergestellt und das vorhandene, zu kurze Vorholz ausgeglichen werden. Die Dachkonstruktion ist, soweit möglich, wäh¬rend der Sanierung neu auszurichten, um die Vielzahl an klaffenden Verbindungen rückgängig zu machen. Verbleibende Zwischenräume bei den Zapfenverbindungen sind maßgenau durch Eichenholz auszufüttern.

Überschlägige Berechnungen haben ergeben, dass - nach heutigen gültigen Nonnen - die Spannungen im Holzquersc1mitt und Verformungen um ein vielfaches überschritten sind. Die Dachkonstruktion ist insge¬samt wegen der geringen Holzquerschnitten und zum Teil wegen der großen Spannweiten als zu biegeweich zu bezeichnen, ebenso sind keine ausreichenden Aussteifungen in Quer- und Längsrichtung vorhanden. Die Sparren und Zerrbalken sind aufgrund ihrer geringen Steifigkeiten und im Hinblick auf die zukünftige Nutzung des Gebäudes statisch zu ertüchtigen. Dies kann durch statische Aufrippung, beidseitig ange¬brachte Laschen oder den Einsatz von geeigneten Stahlkonstruktionen geschehen. In Querrichtung sind die Gespärre aufgrund ihrer Anordmmg als geschlossenens Kräftedreick im Bereich des Wohnhauses ausrei¬chend ausgesteift. Die relativ schwache Dachaussteifung in Längsrich¬tung kann mittels Stabdübelverbindung zwischen Längsrähm und Spar¬ren und zusätzlich durch den Einbau von Winddiagonalen entscheidend verbessert werden. Um einseitige und unsymmetrische Dachlasten, wie Wind- oder einseitige Schneelasten, aufnelunen zu können wird vorgeschlagen im Stall und Stadel eine neue liegende Stuhlkonstruktion einzubauen, die die beste¬hende Dachkonstruktion in Querrichtung aussteift und zugleich die Durchbiegung der Längsrähme unterstüzt. Dazu ist es notwendig, einen Spannriegel im Bereich der neuen Stuhlkonstruktion einzubauen, um die Druckkräfte aus einseitiger Dachbelastung in die Stuhlkonstruktion ab¬geben zu können. Die neue Stuhlkonstruktion sollte so ausgeführt wer¬den, dass das Original möglichst nicht verfälscht wird und die Konstruk¬tion sollte so gewählt werden, dass es in die Entstehungsgeschichte des Gebäudes passt. Desweiteren ist, um die Lasten aus Eigengewicht mög¬lichst gering zu halten, wieder eine leichte Dachhaut anzubringen. Neben ursprünglichen Konstmktionsfehlem haben auch unsachgemäße Eingriffe zu Systemschäden geführt. Insbesondere die Erweiterung des Wohnhauses um einen Anbau in nörd¬licher Richtung und die damit verbundene Umrüstung des ursprüngli¬chen Sparrendaches in ein Pfettendach zeigen schwerwiegende unsach¬gemäße Eingriffe. Die südseitigen Sparren im östlichen Teil des Wohnhauses wurden durch Beisparren am oberen Ende verlängert und an die ursprünglichen Dach¬sparren befestigt. Am Fußpunkt zapfen die Sparren in die ursprünglichen Zerrbalken ein. Auf den Einbau einer Fußpfette wurde verzichtet. Somit ergibt sich hier kein eindeutiges System der Lastabtragung. Durch Heraussclmeiden und Ausbauen von Teilen des Zerrbalkens, durch Feuchteschäden und fehlende Rückverankerung können die Zerrbalken¬köpfe die vertikalen Lasten am Fußpunkt nicht sicher in die Aussenwand ableiten. Die Sparren sind dadurch an ihrem unteren Ende als langer Kragann ausgeführt und belasten auf Biegung das Mauerwerk. Ein Indiz für diese Situation ist das deutliche Absacken des Brettergesimses und die Durchbiegung der Dachlattung in diesem Bereich. Es wird empfohlen eine Drempelwand auf die Ausserunauer zu befesti¬gen und bis unter die Sparren zu führen, tun das geplante System eines Pfettendaches beizubehalten und die VertikaIlasten sicher in das Mauer¬werk ableiten zu können. An der Nordseite des Wohnhauses wurden neue Sparren von der Traufe des Anbaues bis zur eingezogenen Firstpfette eingebaut. Eine Mittel¬pfette unterstützt die Sparren im oberen Drittel. Durch den Einbau eines Kamines, vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts, wurden die beiden äu¬sseren Sparren oberhalb des Kamins und der Mittelpfette abgeschnitten. Die Sparren liegen somit nur noch auf der Firstpfette auf und werden am unteren Ende durch die Dachlattung gehalten. Sollte der Kamin in seiner Form bestehen bleiben, so ist es nötig eine Tragpfette in geeigneter Wei¬se einzuziehen um die Lasten nach unten führen zu können. Neben unsachgemäßen Eingriffen und ursprünglichen Konstruktionsfeh¬lern haben auch eindringende Feuchtigkeit und Schädlingsbefall das Dachsystem erheblich gestört. In den statischen Aufmaßplänen sind die Feuchtigkeitsschäden kartiert. Über die zahlreichen Fehlstellen in der Dachhaut, insbesondere der man-gelhaften Bibereinfachdeckung mit Spliesen und nicht fachmännischen Andichtungen an aufgehende Bauteile konnte Feuchtigkeit ins Dachinne¬re gelangen, welche verschiedene wichtige Holzkonstruktionsteile an¬faulen und vermorschen ließ. Durch längere Feuchtigkeitseinwirkung bei zugleich schlechter Belüftung sind zahlreiche Hölzer, vor allem im Traufbereich, teilweise bis zum vollständigen Ver¬lust der Tragfähigkeit, geschädigt. Zerstörte Sparrenfußpunkt können die Sparrennonnalkräfte nicht mehr über die Zapfenverbindung am Zerrbalken aufuelunen und dort kompen¬sieren. Ursprünglich wurden durch die Zapfenverbindung die Sparren¬normalkräfte in einen horizontalen und vertikalen Anteil aufgeteilt. Der Vertikalkraftanteil wird über die Mauerlatte an das Außenrnauerwerk und weiter in den Baugrund abgeleitet. Der horizontale Lastanteil wurde vom Zerrbalken aufgenommen und dort durch den beidseitigen Lastan¬griff ausgeglichen, so dass kaum Dachschubkräfte in das Mauerwerk geleitet wurden. Vermutlich müssen aber jetzt die horizontalen Dach¬schubkräfte vom Mauerwerk mit aufgenommen und abgeleitet werden, was zu Schäden an der vorhanden Wand führt. Die Abrisse entlang der Außenwänden, Ausbauchungen im Außenrnauerwerk, uSW., deuten auf einen unkompensierten Dachschub hin. Bei der Sanierung sind die Feuchtigkeitsschäden und durch Holzschädling befallene zerstörte Holzbauteile des Dachwerks abzuschneiden bzw. auszubauen und in ihrer ursprünglichen Lage nach historischen Vorbild durch biegesteife Anschäftungen mittels stehender Blattverbindungen wieder zu ergänzen. Die Zugverbindungen zwischen Sparren und den Zerrbalken müssen wieder hergestellt werden. Bei schadhaften Zapfenverbindungen am Fußpunkt oder am First können fest angeschlossenen Eichenzapfen ein¬gesetzt werden. Wichtig ist bei der Sanienmg, dass die Gespärredreiecke wieder geschlossen werden, so dass die Lasten schadensfrei abgeleitet werden. Bauteile mit sehr starker Schädigung oder Mehrtachschaden wie z. B. die Mauerlatten sind gegen neue Konstntktionsteile auszutauschen. Au¬ßerdem sollte ein Fachmann hinzugezogen werden, tun den Holzschäd¬ling gezielt bekämpfen zu können.

2. Deckenkonstruktionen und preußisches Kappenengewölbe

Die Decken über dem Erdgeschoss bilden bei den einzelnen Gebäuden gleichzeitig die Zerrbalkenlagen (siehe statischer Aufinaßplan A2). Die Zerrbalken spannen in Nord - Süd - Richtung und sind an den Endauf¬lagern mit den Mauerlatten der Aussenwände des Erdgeschosses über¬kämmt. Im Stadelgebäude werden die durchlaufenden Zerrbalken in Feldmitte mit einer Stützte und Koptbändem unterstützt. Stütze und Koptbänder sind eingezapft. Die Spannweite beträgt somit ca. 2,80 m. Oberhalb des Stallbereichs wurde ein sechsfeldriges preußisches Kap¬pengewölbe eingebaut. Die Stahl träger spannen in West-Ost-Richtung und sind angerostet. Im Bereich des Eingangs in den Stall sind die Stahlträger teilweise nicht mehr vorhanden. Oberhalb des Eingangs wur¬de auf einer Länge von ca. 2,00 m das Kappengewölbe entfernt. Wahr¬scheinlich diente diese Öffnung, um Futtermittel aus dem Stadel in den Stall zu befördern. Im Wohnhaus überspannen die Zerrbalken eine Gebäudetiefe von ca. 3,90 m und kragen an der Südseite ca. 40 CIn über die Aussenwand hin¬aus. Zwischen die Zerrbalken wurden im westlichen Teil zusätzliche Holzbalken verlegt, um die Lasten des im Dachgeschoß ausgebauten Zimmer besser zu verteilen. Unterseitig wurde an die Zerrbalken eine Holzschalung angebracht und soweit einsehbar befindet sich teileweise eine Lehmschlagdecke zwischen den Deckenbalken. Die Zerrbalken bilden das Zugglied der Gespärredreiecke und sind somit ein wesentlicher Bestandteil der Dachkonstruktion. Wie unter Punkt 1 bereits erläutert wurde, sind die Zerrbalken durch tierische und pflanz¬liche Holzschädlinge z.T. erheblich zerstört worden. Die schadhaften Balken sind, wie oben bereits beschrieben, zu sanieren bzw. gegen neue Konstruktionsteile auszutauschen. Die Stahlträger sind gegen Rost zu schützen und entsprechend der zu-künftigen Nutzung des Gebäudes statisch zu beurteilen. Das fehlende Kappengewölbe über dem Eingang sollte wieder geschlos¬sen werden, urn die Gewölbespannungen in die Aussenwand ableiten zu können.

3. Wandkonstruktionen und Gründung

Das Stall-, Stadel- und Wolmgebäude des ehemaligen Kolonistenhauses ist überwiegend mit Ziegelsteinen errichtet worden. Die Außenwände weisen das für ältere Bauwerke typische Schadensbild mit starken Rissen, Fugenauswaschungen, Mauerwerksausbrüchen, Ab¬pi atzungen und Mauerwerksdurchfeuchtungen im Wandfußbereich auf. Die sichtbaren Schäden sind in den statischen Aufmaßplänen dargestellt. Durch die fehlenden Dachrinnen und der damit verbundenen Spritzwas-serbelastung sowie aufsteigender Feuchte ist das Mauerwerk stark durchfeuchtet. Desweiteren kommt es im Zusammenspiel mit Frost zu Abplatztmgen am Mörtel und den Mauerwerkssteinen, so dass das Mauerwerksgefüge stark gestört ist. Weiter haben sich Putzflächen großflächig vom Unter¬grund gelöst. Der Bindemittelanteil des Mörtels wurde weitestgehend ausgewaschen, so dass der Verbund zwischen den einzelnen Steinen nicht mehr ge¬währleistet ist und bereits einzelne Mauerwerksbereiche herausgebro¬chen sind. Die Außenwände bedürfen einer ausgiebigen Risssanierung. Die Risse und Fugen sind zu öffnen, zu säubern, mit Kalkmörtel auszustopfen. Bei stärkeren Rissen in den Wänden sollten Rissbrücken in Form von Edel¬stahlankern oder Ziegel stürzen mit eingebaut werden, um voneinander abgerissene Mauerteile wieder miteinander kraftschlüssig zu ver-binden. Um die Stabilität der Aussenwände wieder herzustellen und zu erhöhen, wird empfohlen unterhalb der Traufe ein Zuganker anzuordnen. Zusätzlich verbinden die Zuganker wieder abgerissene Bauteile. Des¬weitem wird durch den Einbau die Rissneigung in den Fensterachsen, die immer einen konstruktiven Schwachpunkt bilden, gemindert. Inwiefern auch Fundamentschäden oder eine unzureichende Gründung für die Risse verantwortlich sein können sollte noch überprüft werden. Das Schadensbild in den Fassaden deutet jedoch auf Gründungsschwie¬rigkeiten hin. Es wird daher empfohlen, örtlich festgelegte Schürfen an¬zulegen, um den Zustand der Fundamente und die Gründungstiefe über¬prüfen zu können. Die Fundamente sollten im Zuge einer Fundamentsanierung freigelegt und von Wurzelwerk und Ptlanzenbewuchs befreit werden. Fehlstellen und lockere Bereiche im Fundamentmauerwerk sind dann mit dem be¬stehendem Steimnaterial bzw. wittenmgsbeständigen Voll ziegel neu auszumauern, Risse und lockere Fugen sind zu öffnen und zu säubern. Beim Wiederanfüllen sollte der Arbeitsraum aufgnmd von aufsteigender Feuchtigkeit mit Schotter aufgefüllt und ein Entfeuchtungsgraben ange¬legt werden, so dass sich an der Wand keine Feuchtigkeit sammelt und im Mauerwerk vorhandene Feuchtigkeit bereits unterhalb der Geländeo¬berfläche verdunsten kann. Zwischen Schotterpackung und Erdreich sollte ein verrettungssicheres Filtervlies eingebaut werden, um eine Verschlammung des Entfeuchtungsgrabens zu verhin¬dern. Inwiefern ggf. Bewegungen in tieferliegenden Schichten des Baugnmdes stattgeftmden haben und noch nicht abgeklungen sind, könnte durch ei¬nen Faclunann in Form eines Bodengutachtens eruiert werden. Auf der Basis eines Bodengutachtens kann letztendlich entschieden werden, ob Unterfangungsmaßnalunen bzw. Fundamentverbreiterungen, wodurch Lasten in relativ schlechtem Baugnmd besser verteilt werden ("Sclmee¬schuheffekt"), erforderlich sind. Falls jedoch keine Nachgründung auf ausreichend tragfähigem Untergnmd erfolgt! bleibt das Risiko von Riss¬schäden weiter bestehen. Für die Innenstützen im Stall- und Stadel gebäude sollten neue Einzel-fundamente geschaffen werden.

C Maßnahmen für die Instandsetzung

Verschiedene Maßnalunen wurden schon bei der Beschreibung der Kon-struktionen und deren Schäden mit angegeben, da sich dies aus dem Zu-sammenhang heraus angeboten hat. Das Gebäude sollte während der Sanierung eingerüstet werden, tun die erforderlich Arbeiten an der Dachkonstruktion durchführen zu können. Die vorhandenen schadhaften Dacheindeckungen müssen abgenommen und erneuert werden, um ein Anpassen und Austauschen von schadhaf¬ten Holzkonstruktionsteile zu ermöglichen, Die zu sanierenden Teile der Dachkonstruktion können hierbei am leichtesten wieder in ihre ur¬sprüngliche Lage zurückgebracht und kraftschlüssig angeschlossen wer¬den. Die Dichtigkeit wird in dieser Zeit durch eine reißfeste Gitterfolie und durch ein Schutzdach entlang der Traufe erzielt. Das Schutzdach wird auf dem Arbeitsgerüst abgestützt und sollte von der beauftragten Zimme¬rei ausgeführt werden, um die Dichtigkeit während der gesamten Bauzeit zu gewährleisten. Die Instandsetzung der Dachkonstruktion zielt auf die Wiederherstellung des Sparrendaches mit seinen geschlossenen Gespärredreiecken. Ange¬faulte Sparren, Zerrbalken, Streben und sonstige Teile der Dachkon¬struktion können durch Anschäftungen im ursprünglichen Quer- sclmitt wieder ergänzt werden. Die Verbindungen können als stehende Blattstöße mit Stabdübeln ausgefiihrt werden. Die genaue Länge der Blattverbindungen und die Größe und Anzahl der Stabdübel hängen von der jeweiligen Beanspruchung der Bauteile ab und werden, den stati¬schen Erfordernissen entsprechend, in den Ausfiihrungsplänen angege¬ben. Durch Fäulnis oder sonstige Schädigung nicht mehr ausreichend trag¬fähige Deckenbalken können biegesteif durch Anfügen eines neuen Bal¬kenteiles gestoßen werden. Die Art des Ansatzes hängt von der Bean¬spruchung des jeweiligen Bauteiles und des umliegenden Autbaues ab und muss entsprechend den statischen Erfordernissen jeweils festgelegt werden. Stark geschädigte Balken sollten gegen neue Konstruktionsteile ausgetauscht werden. Schadhafte Zapfenverbindungen können durch eingesetzte Eichenzapfen ergänzt werden. Die neuen Verbindungen werden maßgenau eingeleimt und mittels Stabdübeln kraftschlüssig mit den bestehenden Bauteilen verbunden. Bei nicht ausreichendem Vorholz ist eine Sicherung der Verbindung mit Stabdübeln etc. vorzusehen. Fehlende Holznägel sollten nach historischem Vorbild eingebaut werden. Es ist darauf zu achten, dass alle Teile möglichst luftumspült eingebaut werden. Dies gilt besonders für den Trautbereich. Die gesamte Schut-tauffüllung an den Traufen sollte geräumt werden. Nicht ausreichend dimensionierte Deckenkonstruktionen müssen durch Laschenverstärkungen in Holz oder Stahl, die Ausbildung von Balkenro¬sten oder durch zusätzliche Unterstützungen verstärkt werden. Während der Sanienmg müssen Hilfsabstützungen für die einzelnen Bauzustände und Raumschalen eingebaut werden. Das genaue Schadensausmaß durch tierische und pflanzliche Holzzerstörer ist in Art und Umfang durch einen geeigneten Faclunann feststellen zu lassen. Erforderliche Holzschutzmaßnalunen sind dann entsprechend durchzuführen. Der räumliche Zusammenhang der einzelnen Wand- und Deckenschei¬ben muss gewährleistet sein. Abgerissene Teile sind untereinander kraft¬schlüssig zu verbinden, so dass sich ein geschlossenes System ergibt. Desweitem sind die Deckenkonstruktionen mit den Außenwänden zu verschlaudem. Die vorhandenen Risse und lockeren und porösen Fugen im Mauerwerk sind zu öffnen, zu säubern, zu schließen und kraftschlüssig aus¬zustopfen. Die Art und die Zusammensetzung des Mauermörtels sind dem Bestand möglichst genau anzupassen. Gnmdsätzlich ist Kalk¬Mauermörtel zu verwenden, der dem Bestand möglichst anzupassen ist. An besonders starken Rissen sind Rissbrücken in Form von Edelstahlan¬kern oder Ziegelstürzen einzubauen. Ein Verpressen des Mauerwerkes mit Kalk-Verpressmörtel ist aufgrund der geringen Wandstärken nicht zu empfehlen. Desweitern, um die räumliche Gesamtstabilität des gesamten Gebäudes wiederherstellen zu können, sollte unterhalb der Traufe um¬laufend ein Zuganker vorgesehen werden. Alle Wandfüße und Fundamente sollten überprüft und ggf. saniert wer¬den. Der im Erdreich befindliche Wandfuß sollte während der Sanierung gesäubert, alles lose und lockere Material sowie Bewuchs entfernt werden. Fehlstellen sind neu auszumauern und alle Fugen und Risse zu schließen. Alle Außenwände sind auf frostfreie Tiefe zu unterfangen und eine Fundamentverbreiterung, um die Sohllasten besser zu verteilen, wird empfohlen. Ein um das Gebäude verlaufender Entfeuchtungsgraben mit Drainage¬rohr und Schotterpacktmg ist anzuregen.

D Schlussbemerkung

Das Gebäude zeigt die durch mangelhaften Bauunterhalt, ursprüngliche Konstruktionsfehler und unsachgemäße Eingriffe entstandenen typischen Schäden. Des Weiteren sind Schäden vorhanden, die zum jetzigen Zeit¬punkt noch nicht erkannt und beseitigt wurden. Vorrangiges Ziel muss die Sanienmg der historischen Konstruktionen sem, Die innere ursprüngliche Tragstruktur der einzelnen Bauteile muss er¬halten bleiben und soweit verbessert werden, dass eine schadensfreie Nutzung möglich ist. Falls die originalen Konstruktionsteile sich als sta¬tisch unzulänglich und nicht ausreichend erweisen, sind entsprechende Ergänzungs- und Hilfskonstruktionen so zu wählen, dass das Original möglichst wenig reduziert lmd verfälscht wird. c Nicht zugängliche Bereiche der Konstruktionen sowie die Baugrund¬und Fundamentbeschaffenheit können beim gegenwärtigen Kenntnis¬stand hinsichtlich ihrer Standsicherheit nicht abschließend beurteilt wer¬den. Hierzu sind noch weitere Freilegungen, Aufmaße und Untersuchungen während der Sanienmg notwendig. Weitere Detaillösungen müssen in Verbindung mit der Werkplanung ausgearbeitet werden. Der nicht unbeträchtliche Aufwand des statischen Aufmaßes war not-wendig, um die Konstruktion zusammenhängend darstellen und sie in ihrer Wirkungsweise begreifen zu können. Die statischen Aufmaßplä-nemüssen bei weiteren Freilegungen ergänzt werden. Wichtig ist die Klärung und Aufnahme der tragenden Konstruktions¬teile. Anband des statischen Aufmaßes erfolgt die Erfassung und die Analyse der Schäden als Voraussetzung der zu planenden Instand¬setzungsmaßnahmen. Die Instandsetzungsmaßnahmen zielen immer zuerst auf die behutsame Wiederherstellung des ursprünglichen Systems. Neuburg, 22. Januar 2008