Raumschalen, Fassade und hölzerner Ausstattung

Ein Bauzeitenplan des Kolonistenhauses wurde bereits 2008 erarbeitet. Für die Betundung werden die Räume von Westen nach Osten mit 1 - 6, die Wände mit a, b, c und d bezeichnet.

Bauphase 1: 1872 Bauphase 2: 1884 Bauphase 3: 1906

Das Gebäude ist ein nicht unterkellerter Ziegelbau, der sich in einem sehr schlechten Zustand befindet. Die Lehmfüllungen zwischen den Deckenbalken von Raum I und 2, die noch 2008 von uns dokumentiert wurden, sind in der Zwischenzeit verschwunden. Ebenso wurde die historische Tür zwischen Raum 3 und 4 samt Türstock entfernt und dient jetzt als Kellertür. Aufgabe dieses Befundes ist es, die Fassungsabfolgen der Oberflächen zu dokumentieren, um sich ein möglichst genaues Bild vom ursprünglichen Aussehen machen zu können. Des weiteren ist eine Schadens- und Maßnahmenbeschreibung der Wand- und Holzoberflächen von Nöten, da dieses Jahr die Kcstaurierung des Objekts beginnen soll.


Befunduntersuchung Raumschale:

Das Mauerwerk besteht aus Vollziegelsteinen, die mit einem beigegrauen Fugenputz gemauert wurde. Teilweise ist das Bindemittel ausgewaschen, so dass der Mörtel stark sandet oder gar nicht mehr vorhanden ist. Die originale Putzschicht ist ein Kalkputz aus beigegrauem Sand mit vereinzelten Kalklinsen. Teilweise ist dieser Putz noch in gutem Zustand, zum großen Teil aber ist er durchfeuchtet, durch Salze geschädigt oder hat sich bereits großflächig vom Untergrund gelöst. Verputzt wurden die Wände der Wohnräume und der Stall, die Wände des Stadels blieben unverputzt.

Raum 1:

Die ersten Fassungen waren grau und grün in unterschiedlichen Helligkeitsstufen. Die Decke wurde in hellen oder mittleren Grautönen gestrichen, wobei die Deekenfarbe bis ca. 10 cm unter der Decke gestrichen wurde, teilweise vom Wandton durch eine farbige Linierung abgesetzt. Ab den 1930er Jahren wurden die Wandtöne kräftiger (Ocker-, Blau- und Rottöne) und mit Rollenmustern versehen. Teilweise wurde die Farbe bis zur Decke aufgetragen.

Raum 2:

Die ersten Fassungen waren grau und grün in unterschiedlichen Helligkeitsstufen. Die Decke wurde in hellen oder mittleren Grautönen gestrichen, wobei die Deckenfassung bis ca. 10 cm unter der Decke gestrichen wurde, teilweise vom Wandton durch eine farbige Linierung abgesetzt. Die Wandtöne sind insgesamt zurückhaltender als im 1. Raum, nur eine kräftig dunkelblaue Fassung mit Rollenmuster und blauer Linierung sticht hervor. Ab den 1930er Jahren wurden die Wandtöne in verschiedenen Grau- und Grüntönen teilweise mit Rollenmustern versehen.

Raum 3:

Die ersten Fassungen waren grau und grün in unterschiedlichen Helligkeitsstufen. Die Decke wurde in hellen oder mittleren Grautönen gestrichen, wobei der Deckenton bis ca. 10 cm unter der Decke getrichen wurde, teilweise vom Wandton durch eine farbige Linierung abgesetzt. Die Wandtöne sind uUl'chgehend zurückhaltend. Ab den 1930er Jahren wurden die Tünchungen in Grau- und Ockertönen, zuletzt nur noch in hellen Tönen ausgeführt und teilweise mit Rollenmustern versehen.

Raum 4:

Die ersten Fassungen waren Grautöne in unterschiedlichen Helligkeitsstufen. 1884 wurde im Zuge der Bauerweiterung die gesamte Wandfläche mit einer Kalkputzschlämme überzogen. Die Decke wurde in hellen oder mittleren Grautönen gestrichen. Die Kalktünchungen sind bis zu den 1930er Jahren in grauen und hellgrün bis mittelgrünen Farben ausgeführt. Ab den 1930er Jahren wurden die Tünchurigen farbiger und in grünen, ocker, grauen, blauen und braunen Tönen ausgeführt LInd teilweise mit Rollenmustern versehen, die teilweise mehrfarbig in kräftigen roten, ocker und grünen Tönen ausgeführt wurden.

Raum 5:

Der Stall wurde 1906 erbaut. Die originale Putzschicht ist ein Kalkputz aus ockerfarbigem Sand mit grober Sieblinie. Teilweise ist dieser Putz noch in gutem Zustand, zum großen Teil aber ist er durchfeuchtet oder nicht mehr vorhanden. Die Wandflächen und die Decke (Preußische Kappen) sind mit weißen oder hellgrauen Kalktünchungen gestrichen. Der Sockel bereich ist erst braun, später schwarz getüncht, wobei die Höhe des Sockel bereiches variiert von 0,3 bis 1,2 m.

Raum 6:

Der Stadel wurde weder verputzt noch getüncht.


Befunduntersuchung Fassade:

Wand a: Westseite

Aufgrund starker Bewitterung ist kein Originalputz mehr vorhanden. Der zementhaltige Kalkputz ist weiß getüncht, die Tünchung ist allerdings fast zur Gänze abgewittert.

Wand b: Nordseite

Große Bereiche des Putzes im Bereich der Wohnräume sind verschwunden, der noch vorhandene Putz ist ein grober Kalkputz mit ockergrauem Sand. Die Kalktünchungen sind fast zur Gänze verschwunden, es sind lediglich noch weiße Kalkreste vorhanden, im Sockel bereich sind noch schwarze Farbreste zu sehen. Am Erweiterungsbau von 1884 ist kein Putz mehr vorhanden. Im Bereich des Stalls und Stadels sind große Teile des Putzes abgeplatzt, die noch vorhandenen Reste sind stark abgewittert. Die weiße Tünchung ist ebenfalls fast zur Gänze abgewittert.

Wand c: Ostseite

Große Bereiche des originalen Kalkputzes sind abgeplatzt. Der noch vorhandene Putz ist stark abgewittert. Das Bindemittel ist größtenteils ausgewaschen, weshalb der Putz sehr mürbe ist. Das hat zu einem Schädlingsbefall geführt. Die weiße Tünchung ist fast zur Gänze abgewittert.

Wand d: Südseite

Die Sichtseite ist im Gegensatz zu den anderen Fassadenseiten im Wohnbereich mit farbigen Kalktünchungen gestrichen. Auch hier sind große Bereiche des Putzes abgeplatzt, große Bereiche des noch vorhandenen Putzes sind abgewittert und mürbe. Die originale Putzschicht ist ein Kalkputz aus beigegrauem Sand mit vereinzelten Kalklinsen. Die ersten Fassungen sind grün, gefolgt von mehreren grauen Fassungen. Die jüngeren Fassungen sind grün, ocker, blau und zuletzt einige weiße Fassungen. Bei den ersten 5 - 8 Fassungen wurde der Sockelbereich in einer Höhe von ca. 30 - 40 cm schwarz abgesetzt. Der Stall- und Stadelbereich wurde nur weiß und beige gestrichen.


Befunduntersuchung hölzerne Ausstattung:

Fenster und Fensterstöcke:

Die im Wohnbereich noch vorhandenen Fenster und Fensterstöcke sind aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert. Die erste Fassung war ocker Ölfarbe, dann hellocker Ölfarbe, zuletzt weiße Ölfarbenanstriche. Die zeitgleichen Fenstersimse hatten als Erstfassung einen grünen Ölfarbenanstrich, dann gleich wie die Fenster.

Fensterläden:

Fensterläden sind ausschließlich an der Südseite im Wohnbereich vorhanden. Sie sind aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Ölfarbenfassungen waren erst hell-, später dunkelgrün.

Türen:

Die Tür zwischen Raum 1 und 2 ist aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die 1. Fassung ist eine braune Ölfarbe, die 2. Fassung eine umbragrüne Fassung, danach der jetzige Anstrich mit weißem und grünem Lack. Die Tür zwischen Raum 2 und 3 ist aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zwischen Raum 3 und 4 war noch eine Tür aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, sie wurde jedoch samt Türstock ausgebaut und lehnt jetzt vor dem Kellereingang. Es sind nur noch wenige Farbfragmente vorhanden. Als Erstfassung braune Ölfarbe, dann weiß. Die Eingangstür ist nicht mehr vorhanden, der Eingang wird mit einer Nottüre verschlossen.

Fenster Stallgebäude:

Im Stallgebäude sind Eisenfenster aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbaut, allerdings sind sie völlig verrostet. Von einem Anstrich ist nichts mehr zu sehen.





















































Bauphase 1: 1872 Bauphase 2: 1884 Bauphase 3: 1906

Schadensbeschreibung:

Raumschalen und Fassade:

Das Mauerwerk ist größtenteils in einem sehr schlechten Zustand. Es ist von Rissen durchzogen, die sich teilweise durch die ganze Mauerdicke ziehen. Das Mauerwerk ist im Wandfußbereich stark durchfeuchtet, was im Zusammenspiel mit Frost zu großflächigen Putzabplatzungen führte. Durch die aufsteigende Feuchtigkeit sind auch Salzausblühungen vorhanden. Die Fassungen sind im Außenbereich größtenteils abgewittert, in den Bereichen, wo sie noch vorhanden sind (hauptsächlich Südseite), bilden sie oft Hohlräume und haften nur noch bedingt auf dem Putz. Im Innenraum verhält es sich ähnlich, die vorhandenen Fassungen sind oftmals durch Feuchtigkeit zerstört oder bilden HohlstelIen und haben nur noch eine geringe Haftung auf dem Putz.

Fenster und Türen

Die Fenster mit Fensterstöcken und die Türen mit Türstöcken sind teilweise in einen sehr schlechten Zustand. Die Farbschichten sind zum Teil stark geschädigt, wodurch das Holz noch mehr der Witterung ausgesetzt ist. Bei der Tür zwischen Raum 3 und 4 ist es besonders schlimm. Sie wird inzwischen als Tür zum Keller verwendet, die Fassungen sind fast zur Gänze verschwunden. Durch die Witterung ist das alte Kastenschloss inzwischen völlig verrostet.

Zustand, wie er sich durchs ganze Gebäude zieht:

Decke aus Rohrmatten und Kalkputz überall verloren Zugesetztes Fenster ohne Flügel, Fassung stark beschädigt Tiefe Risse, die durch die ganze Mauerstärke gehen Durchfeuchteter Putz durch aufsteigende Feuchtigkeit und durch undichtes Dach Durchfeuchtetes Mauerwerk, der Putz ist bereits abgefallen, der Fugenmörtel und Putz versandet durch ausgewaschenes Bindemittel

Maßnahmenbeschreibung:

Raumschalen und Fassade:

Der erste Schritt wird sein, die vorhandenen Risse zu öffnen, zu reinigen und wieder kraftschlüssig zu schließen. Dabei sollte Kalkputz verwendet werden, der gut in die Risse gestopft werden muss. Eine Rissverpressung ist teilweise sinnvoll, wenn die Risse durch das ganze Mauerwerk gehen, aber zum ausstopfen zu dünn sind. Gleichzeitig muss das Fundament freigelegt und ausgebessert werden. Es sollte eine Drainage gelegt und der Graben um das Fundament mit Schotter aufgefüllt werden, um weitere aufsteigende Feuchtigkeit zu verhindern. Nach dieser Maßnahme muss das Mauerwerk ausgetrocknet werden. Die losen Putz- und Fassungsbereiche müssen bis zu einem tragfähigen Bereich abgearbeitet werden. Eine Festigungsmaßnahme mit Kieselsäureester wäre der nächste Schritt, um den sandenden, bindemittelarmen Putz und Farbschichten zu festigen. Hohlräume müssen mit einer Mischung aus Kalk und Ledan hinterfüllt werden, falls sie instabil sind. Sollten sich Salzausblühungen bemerkbar machen, müssen diese mechanisch entfernt oder Kompressen aufgelegt werden. Nachdem alles gereinigt und gefestigt ist und ein tragfähiger Untergrund besteht, sollten die tieferen Schadstellen mit einem mageren spannungsarmen Kalkputz auf ein Niveau wenige mm unterhalb der Fassungsoberfläche gefüllt werden. Im Sockelbereich, wo die Feuchtigkeit am schlimmsten ist, wäre der Einsatz eines Sanierputzes zu empfehlen. Als letztes ist mit einer Kalkglätte eine optisch den letzten Fassungen angeglichene Oberfläche zu schaffen.

Fenster und Türen:

Hier ist das mechanische abarbeiten der losen oder mürben ÖI- oder Lackschichten der erste Schritt. Sollte die Oberfläche fest sein, ist sie mit einem Schleifvlies anzurauen. Tiefere Risse sind mit Ölkitt zu schließen, frei liegende Holzoberflächen sind vorher mit magerer Ölfarbe zu Grundieren. Kaputte Holzpartien sind zu entfernen und fachmännisch ergänzen zu lassen. Natürlich müssen auch Fensterscheiben in die Flügel eingefügt werden. Das geschieht mit Fensterkitt. mit grundieren, kitten und schleifen eine homogene Oberfläche geschaffen wurde, kann das Fenster oder die Tür mit einem Ölfarbenanstrich versehen werden. Die Eisenfenster müssen vom losen Rost mit einer Drahtbürste und Schleifpapier gereinigt werden. Dann wäre eine Eisenglimmerfassung sinnvoll, hergestellt aus Eisenglimmer und Leinöl. Danach müssen mit Fensterkitt Scheiben eingeklebt werden.