Zusammenfassender Bericht

Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz hat mit Übernahme der Regentschaft in Bayern ein umfassendes, überregionales Landschaftsprojekt in Form der Trockenlegung des Donaumooses mit anschließender Ansiedlung von Kolonisten in Angriff genommen. Die Verteilung der Parzellen geschah nach einem Planverfahren mit baulich-einheitlich festgesetzten, kleinen Bauernkaten, dazu die landwirtschaftliche Fläche, die für die Existenz einer Familie berechnet war. Im weiteren, langfristigen Verlauf änderte sich dann die Situation für nachgesiedelte Anwärter. Das Anwesen in Grillheim gehört zu einem Bautyp der zu Ende gehenden Besiedelung des Donaumooses und ist stellvertretend abweichend zu den ersten Standardtypen. Insofern handelt es sich hier um eines der letzten Kolonistenhäuser der Endphase einer Entwicklung.

Nachfolgend haben sich mit Auswertung von Archivunterlagen aus dem Katasteramt Ingolstadt, sowie den Daten der dendrochronologischen Altersbestimmung von spezifischen Holzbalken die nachfolgenden Zusammenhänge der Bauchronik ergeben.

Im Urkataster von 1836 ist das Anwesen des ersten Grundstückbesitzers mit Kauf 1869 nicht enthalten.

Im neuen Katasterplan von 1872 ist es noch nicht eingetragen. Hierzu existiert aber ein Nachtrag vom Nov. 1872. Demnach wurde aus dem länglichen Waldquartier mit Fl-Nr. 367, Grauvogel- Holz, das östliche Ende als Anwesen Attenheimer weggemessen, auf dem bereits ein Länglich-schmales Gebäude in W - 0 Richtung ersichtlich ist.

Der nächste Eintrag von 1881 betrifft einen kleinen, südlichen Nebenbau; heute noch sichtbar als Kartoffel- und Vorratskeller, mit ebenerdig-mannshoch gebautem Eingang zur Treppe, mit Schüttfenster auf der Gegenseite. 1883 wird das gesamte Anwesen an Josefund Elisa Schaupp verkauft.

Für das Jahr 1884 ergibt sich aufgrund der dendrochronologischen Daten offensichtlich ein erneuerter Dachstuhl über dem Wohnteil sowie die Erweiterung des östlichen Wohnraums nach Norden (auf die spätere, jetzt noch vorhandene Flucht von Stall und Stadel). Zu dieser Zeit muß bereits ein" Stall- und Stadelanbau von kleineren Dimensionen existiert haben.

Überraschend wird dann das Anwesen ein Jahr später an Johann Baumgartner verkauft. Die Erneuerungen von 1884 stehen also mit diesem Verkauf sicherlich in Zusammenhang.

Das nächste Datum liefert ein Bauplan von 1907; im Grundriß ist der Wohnteil schräg, der Mittelteil waagrecht und der größere Stadel senkrecht schraffiert. Der Dachstuhl über Stall und Stadel entspricht dem Fälldatum aus der dendrochronologischen Untersuchung der Balken 1905/6. Die Ausführung weicht jedoch geringfügig von diesem Grundriß ab, indem die nördliche Hausflucht von Stall und Stadel jetzt bis zur Erweiterung des Wohnteils von 1884 reicht. Der Katasterplan von 1911 zeigt die tatsächliche Situation von 1907 mit einer nördlichen Front von schmalerem Wohnteil und anschließend die Verbreiterung des nördlichen Wohnteils in Form des Vorsprungs nach Norden mit nachfolgend Stall und Stadel. Geblieben sind die 3 verschiedenen Dachneigungen der 3 Teilgebäude.

Abgesehen von der Wiederverwendung von alten und mehrfach verbauten Materialien ergibt die dendrochronologische Untersuchung 2 exakte Daten:
1884 als Umbauphase in Zusammenhang mit einem Verkauf des Anwesens. 1905/6 als Fälldatum für die Hölzer der Neubauphase von Stall und Stadel.


Bauzeitenplan



Kataster 1872



Handriss für einen Umbau von 1907



Bohrkehrentnahme

zur dendrochronologischen Altersbestimmung



Südliche Ansicht 2008

nach bautechnischer Sicherung